L.C.N. Geschichte

Gerald Encausse, geboren am 13. Juli 1865 in La Corogne, Spanien, hatte den Martinisten Orden in Paris wieder reaktiviert. Papus wie Enausse auch genannt wurde, wurde zusammen mit dem Mystik-Schriftsteller Paul Sedir(Yvon de Loup) und dem Buchverleger Lucien Mauchel, durch Jules Doniel(Tau Valentin II), in das Episcopat der Ecclesia Gnostica konsekriert.

Alljene, die Aleister Crowley's Biographie kennen, wissen, dass Encausse Yohn Yarkers Memphis-Misraim Ritus mit dessen Tod 1913 erbte. Der MM Ritus, der eigentlich französischen Ursprungs ist, aber zwischen 1860 und 1875 via USA nach England gekommen war, hatte schon vorher, im September 1902, die Grundlage des deutschen Ordo Templi Orientis (O.T.O.) gelegt. Encausse war bekannt dafür, Verbindungen zur Ägyptischen und Mystischen Freimaurerei zu unterhalten, zum Gnostizismus, Martinismus und den Rosenkreuzern (durch Stanislas de Guaita), den Elus Cohens und P.B. Randolph's "Fraternitas Lucis Hermetica", die in Frankreich sexualmagisch tätig war. Es muss klargestellt werden, dass der O.T.O., den Encausse von Reuss erhielt, nicht die geheimen Grade aufwies, wie sie Crowley später in seinem eigenen Zweig dieses Ordens entwickelte. Wir beziehen uns auf die frühere Periode zwischen 1909 und 1912, bevor Crowley in den Orden eintrat.

Einer der Adepten, mit denen Encausse in Paris Umgang pflegte, war ein junger gnostischer Bischof aus Haiti, Lucien-Francois Jean-Maine. Er wurde als 30jähriger 1899 durch Tau Synesius und Tau Orfeo VI, einem spanischen gnostischen Bischof, der seine Linie auf die Albigenser und Memphis-Misraim zurückführte, zum Bischof geweiht. Jean-Maine's Name in der gnostischen Kirche wurde Tau Ogdoade-Orfeo I. Lucien-Francois Jean-Maine wurde am 11 Januar 1869 in Leogane, Haiti, und starb in 1960 in Boston. Durch seine Stellung in der okkulten Geschichte seiner Zeit und seine Beziehungen zu den spanischen und französischen Okkultisten, war es ihm möglich, die wichtigsten Initiationen, Sukzessionen und Strömungen auf sich zu vereinen und diese an die Mitglieder seiner Linie weiterzugeben.

Im haitianischen Voodoo müssen wir hauptsächlich zwei wichtige Unterschiede treffen. Erstens hatte schon vor Carl Kellner und Theodor Reuss ein dem O.T.O. vergleichbarer Orden existiert. Wir denken an den Orden und Ritus der von Toussaint-L'Ouverture gegründet wurde und französischen Kabbalismus, Illuminismus, sowie afrkanisch-dahomenische Strömungen in sich vereinte. Alle Studenten haitianischer Maurerei kennen diesen Ritus, der sonst relativ unbekannt geblieben ist und aus Platzgründen hier nicht diskutiert werden kann. Zweitens gibt es einen sehr grossen Unterschied zwischen den Voodoo-Mysterien gemacht werden, die Ähnlichkeiten mit dem VIII° und IX° de O.T.O. haben - wir beziehen auf die "mysteries de la solitude" und "marriage mystique" - und den Mysterien des sehr esoterischen Voodoos, die Ähnlichkeiten mit dem XI° und sogar noch höheren Arbeiten Von Crowley's O.T.O. haben - hier meinen wir die "mysterie Luage". Beide Systeme, Crowley und diese esoterische Voodo-Linie, versprechen Entwicklung durch Sexualmagie und geheime Grade. In diesem Sinne gehen die haitianischen Gnostiker und Crowley weit über das hinaus, was der O.T.O. von Reuss und Encausse beabsichtigt hatte.

Festzuhalten ist auch, dass Lucien-Francois Jean Maine seine Voodoo-Grade (Eingeweihter, Servitor, Priester und Hohepriester) im Tempel seines Vaters in Leogane erhielt, bevor er sein okkultes Glück in Paris und Madrid suchte. Die Familientradition der Jean-Maine's geht zurück auf einen bekannten französischen Sklavenhalter aus Leogane zurück, der dort 1774 verstarb. Dieser Sklavenbesitzer war der Adept Martines de Pasquales, Gründer des Ordens Elus Cohens, jenes theurgischen Ordens, in den Louis-Claude de St. Martin, Gründer des Martinismus, in Frankreich initiert wurde.

Voe seiner Konsekration zum Bischof wurde Jean-Maine durch Paul Pierre de Marraga (Tau Orfeo VI) zum Subdiakon, Diakon und Priester ernannt; Ämter des geheiligten Ministeriums der Gnostischen Kirche, die voll mit dem magischen Strom der drei ersten Voodoo-Grade übereinstimmen, die er von seinem Vater erhalten hatte. Von 1899 bis 1910 arbeitete Jean-Maine mit den verstreuten Anhängern des afro-amerikanischen Adepten P.B. Randolph zusammen, der die lose strukturierte "Fraternitas Lucis Hermetica"(FLH) gegründet hatte. Die Anhänger arbeiteten die sexualmagischen Grade ihres Gründers und die drei mysteriösen Grade des inneren Ordens. Es ist historisch belegt, dass der O.T.O. von Kellner und Reuss in Deutschland massgeblich von den sexualmagischen Lehren in P.B. Randolph's Buch "Magie Sexuelle" beeinflusst wurde.

Es soll eingefügt werden, dass Randolph's Werk ebenfalls von einer Gruppe weiblicher polnischer Bischöfe der Mariaviten Kirche benutzt wurde, die, bis sie von der römischen-katholischen Kirche unterdrückt wurden, mit männlichen Partnern zusammengearbeitet hatten. Zur Zeit wird der französische Zweig der "Fraternitas Lucis Hermetica" vom Mariaviten-Bischof Joseph Bonnet geleitet. Es sei ebenfalls bemerkt, dass Randolph's "Magie Sexuelle" von keiner geringeren als der polnischen Hohepriesterin Madame de Naglowska ins Französische übersetzt und 1930 publiziert worden ist. Madame de Naglowska studierte zwischen 1921 und 1930 Voodoo mit den Schülern von L.F. Jean-Maine.

Um 1910 gab Encausse den Reuss'schen X° an L.F. Jean-Maine für Haiti und französisch West-Indien. Ebenso gliederte man einen Zweig der FLH ein. Jean-Maine wurde in Paris konsekriert. Encausse, der schon die meisten Memphis-Misraim Hochgrade besass, bekam nun weitere Hochgrade durch J.F. Jean-Maine(Tau Ogoade-Orfeo I.), der sie selber von Tau Orfeao VI. bekommen hatte. Encausse, ganz grossmütiger Franzose, tauschte aus, was er von Yarker und Reuss empfangen hatte. Es muss jedoch klargestellt werden, dass alle Sukzessionen von Yarker und Reuss käufliche Papiere waren, während die von Tau Orfeo VI. einen sakramentalen Charakter hatten, der auf der Magie der gnostischen Kirche basierte.

Geschäftsangelegenheiten und der Krieg hinderten Jean-Maine bis 1921 daran, nach Haiti zurückzukehren. Um die spanische gnostische Kirche aufzubauen, zog Jean-Maine 1919 nach Spanien. 1921 konsekrierte er seinen europäischen Nachfolger in der spanisch-gnostischen Kirche und dem magischen Orden von Memphis-Misraim. Sein Nachfolger nahm den Namen Tau Ogoade-Orfeo II. an und lenkte von seinem Hauptquartier in Madrid die Geschicke der Ecclesia Gnostica und des Memphis-Misraim.

Durch den gemeinsamen Einfluss von O.T.O., Martinismus, Voodoo und FLH, gaben die spanischen und haitianischen Zweige des Memphis-Misraim Ritus ihren quasi-freimaurerischen Charakter und wurden völlig gnostische und magische Orden. So entstanden z.B. "The Gnostic and Esoteric Order of Misraim" oder "of Egypt", und "the Gnostic Esoteric Order of Memphis", innerhalb des grösseren, total okkulten und eher kirchlichen "Ancient and Primitive Rite of Memphis-Misraim". Diese Tatsache muss herausgehoben werden, da es andere Zweige des Memphis-Misraim Ritus gibt, die weiterhin ihren freimaurerischen Charakter pflegen und nur an ihren eigenen gnostischen und apostolischen Sukzessionen und magischen Initiationen interessiert sind.

1921 kehrte Jean-Maine nach Haiti zurück um zu heiraten. Am 18. November 1924 wurde ihm ein Sohn geboren, der den Namen Hector-Francois erhielt. In Haiti gründete Jean-Maine (Tau Ogoade Orfeo I.) den haitianischen Ordo Templi Orientis Antiqua (O.T.O.A), der offiziell 1921 eröffnet wurde. Seine Struktur umfasste 16 Grade, im Gegensatz zu den 10 Graden im O.T.O. von Reuss und Encausse oder den 11 Graden des Crowley O.T.O.. Elemente des Voodoo, der Magie und ds Gnostizismus wurden in ein System eingearbeitet, dass den Baum des Lebens (Tree of Life) hinauf und wieder hinunterführte.

1922 gründete Jean-Maine den magischen Orden "La Couleuvre Noire" (Die schwarze Schlange), der vier aktive Grade bearbeitete, sowie einen Probationer und einen höchsten administrativen Grad aufwies - also sechs Grade insgesamt. Die Beziehung des O.T.O.A. zu La Couleuvre Noire kann am besten mit dem Verhältnis von Crowley's O.T.O. zur "Great Brotherhood of God" und zum "Choronzon Club" der amerikanischen Crowleyaner verglichen werden. Der Unterschied ist aber, dass "La Couleuvre Noire" nicht von einem Schüler gegründet worden ist, sondern durch das Oberhaupt des O.T.O.A, sodass keine magische Validität verloren gehen konnte. 1930 wurden "La Couleuvre Noire" und der O.T.O.A. zusammen mit der gnostischen Kirche und der FLH in Spanien und Haiti an den Orden des Memphis-Misraim Ritus angeschlossen. 1968 wurden auch die Zweige der USA und der französischen West-Indischen Inseln eingeschlossen.

1960 starb J.F. Jean-Maine in Boston, während er sich auf einer Reise zu seinen gnostischen Gruppen in Frankreich, Spanien, Belgien und der USA befand. Seine Autorität ging auf den spanischen Okkultisten und Gnostiker Tau Ogoade-Orfeo II. über, unter der Bedingung, dass der Sohn von Jean-Maine ins Bischofsamt konsekriert werde und seine Orden und Riten erben würde. Dies geschah am 2 November 1962 in Madrid, als der Sohn von Jean-Maine zum Bischof konsekriert wurde und zum Patriarchen der Ecclesia Gnostica Spiritualis ernannt wurde. Der neue Bischof und Patriarch nahm den Namen Tau Ogoade-Orfeo III. an und führte somit die Sukzession der haitianischen Bischöfe und Gross-Meister des O.T.O.A. weiter.

Am 18 Januar1966 wurde der amerikanische Martinist, Tau Ogoade-Orfeo IV, welcher am 18 Januar 1935 geboren worden war, in das Bischofsamt des Memphis-Misraim Ritus konsekriert. Die Weihe fand in Chicago statt, im Beisein von Tau Ogoade-Orfeo II. und Doktor Jean-Maine. Am 10 August 1967 erthielt Tau Ogoade Orfeo IV. die kompletten magischen Weihen der Ecclesia Gnostica Hermetica. Die Ecclesia Gnostica Hermetica trug die magischen Strömungen der Geheimnisse des O.T.O und des Choronzon Clubs in sich. So vereinten sich hier die Crowleyanischen(Germer) und Neo-Crowleyanischen (Choronzon Club und GBG) Sukkzessionen mit den gnostischen und hermetischen Traditionen, die von den Sukzessionen der Vilatte-Bischöfe stammten.

Der Patriarch der EGH, Tau IX.(33=36) konsekrierte Tau Ogoade Orfeo IV. Daraufhin gab Tau Ogoade-Orfeao IV. das Bischofsamt und das Patriarchat der Ecclesia Gnostiva Spiritualis an Tau IX durch die Weihung desselben zum XVI°(33=36) des O.T.O.A.. Am 25 Dezember 1967 erhielt Tau IV. eine weitere gnostische Sukzession der Vilatte-Linie. Dies ist dieselbe apostolische Sukzession, die der französische Martinist und gnostische Bischof C. Chevillion an den schweizerischen O.T.O. Bischof weitergegeben hatte, der den Orden Crowleys von Karl germer geerbt hat.

Astrologen sollten beachten, dass Tau IV.(13=16), geboren am 5 Januar, am 4. Januar 1967 in die QBL Alchemisten Bischofswürde der Vilatte Sukzession geweiht wurde. Tau IV, der zuvor, am 18 Januar 1967, in das Episkopat der Ecclesia Gnostica Spiritualis geweiht worden war, assistierte beim Austausch der Konsekrationen und Sukzessionen am 10. August 1967. Somit waren die amerikanischen O.T.O. und gnostischen Sukzessionen mit den Franco-Haitianischen Sukzessionen vereint.

Es sollte verstanden werden, dass die Initiations-Linien des O.T.O. und der Martinisten ununterbrochen durch das gnostische Episkopat verbunden waren. Ebenso waren die Sukzessionen des Esoterischen Voodoo und des O.T.O. vereint durch den Gnostizismus im magischen Ritus von Memphis-Misraim.

Am 31 August 1968 konsekrierte Tau Ogoade-Orfeo IV. den haitianischen Okkultist Doktor Pierre Antoine Saint Charles, der am 21 Juli 1934 geboren wurde, ins Episkopat der Ecclesia Gnostica Cabbalistica. Dieser neu-ernannte Bischof und Patriarch nahm den Namen Tau Eon III, Tau VIII(29=32) an. Und so sind in einem weiteren haitianischen Adepten und gnostischen Voodoisten folgende Sukzessionslinien (die parallel zu denen von Jean-Maine von 1910 verlaufen) vereint.

1. Die Encausse Sukzession der S.I.I. des Martinismus

2. Die O.T.O Ecclesia Gnostica Hermetica und Sukzession des Choronzon Club von Tau IX.

3. Die Vilatte Sukzession des gnostischen Epikopats, die jetzt von allen Erben der Crowley-Orden besessen werden.

4. Die Memphis-Misraim Sukzessionen, die Ecclesia Gnostica Spiritualis und die Sukzession des O.T.O.A. durcj Jean-Maine.

5. Die Voodoo Sukzessionen der vier Grade (siehe oben), die Doktor Saint Charles durch die haitianische Traditione erhielt.

Damit es ihm Möglich war, die Ecclesia Gnostica weiterzuführen, tauschte Saint Charles seine Voodoo Konsekrationen und ihre eher esoterischen und magischen Strömungen mit Tau IV. Diese Voodoo Kräfte wurden nochmals verstärkt, als Hector-Francois Jean-Maine seine magischen Eigenschaften als esoterischer Voodoo Hohepriester der Sukzession der Ecclesia Gnostica Spiritualis hinzufügte.

Um nochmehr haitianisch-magische Elemente dem Strom hinzuzufügen, konsekrierte Tau IV einen bekannten haitianischen Forscher (er ist Grossenkel des haitianischen Präsidenten Michel Cincinnatus Leconte und Nord Alexis) in das Episkopat der EGS. Der neue Bischof wählte den Namen Tau Ogoade V.